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Irgendwie bezahlt man immer

25. Oktober 2017
Kategorie: Blog, Allgemein

Über Geld redet man nicht. Über kein Geld schon gar nicht. Die Deutschen haben ein verkrampftes Verhältnis zum Geld. Kein Wunder, schließlich haben wir nie gelernt damit umzugehen und machen u.a. deswegen immer wieder schlechte Erfahrungen damit. Nach dem Debakel, das Anleger in den 90ern mit der „Volksaktie“ Telekom durchlitten hatten, wandten sich viele potenzielle Investoren angewidert vom Thema Geldanlage ab. Dabei hätte jeder mäßig kompetente Anlageberater ihnen als allererstes davon abgeraten, ihr Vermögen in nur eine Anlage zu investieren. Doch statt sich solche grundlegenden Kenntnisse anzueignen, beschweren wir uns lieber über die knapp-über-Null-Zinsen, die es auf dem Tagesgeldkonto gibt und tragen doch brav all unser Erspartes dorthin, sodass die Bank keinerlei Anlass hat, uns ein besseres Angebot zu machen.

Nichts über Finanzen zu wissen ist in Deutschland bizarrer weise fast schick. Man redet in der Familie nicht über Geld, egal ob Budget, Kredit oder Aktienfonds. Die Kollegen nach dem Verdienst zu fragen ist unhöflich und in der Schule kommt das Thema vielleicht als Rechenbeispiel im Mathe Unterricht vor. Oder wie eine Abiturienten es 2015 formulierte:

Dieses Unwissen ist schädlich genug, wenn man Erspartes hat, doch es trifft diejenigen besonders schlimm, die sowieso nichts haben. Kein Geld haben und damit auch nicht umgehen können, ist der schnellste Weg in die Armutsfalle, aus der man aus eigener Kraft kaum mehr entkommt. Denn arm sein ist teuer. Sehr teuer. Das alte Sprichwort „Wer billig kauft, kauft mehrfach“ ist nur die Spitze des Eisbergs versteckter Kosten, die man nie zu Gesicht bekommt, wenn auf dem eigenen Konto zumindest ein kleiner Puffer liegt. Ersatzbeschaffungen schlagen monatelange Löcher ins Budget, Schuldzinsen fressen jeden noch so kleinen Überschuss auf und die Lebenshaltungskosten sind höher als in manchem Haushalt der Mittelschicht, weil man Einsparmöglichkeiten nicht nutzen kann. Egal wie günstig das Gemüse diese Woche ist, wenn man es in seiner kleinen Wohnung nicht sinnvoll lagern kann, ohne Auto nicht transportiert bekommt und sowieso nur noch 4,81 € in der Tasche hat, dann kann man nicht auf Vorrat kaufen.

Wenn gar nichts mehr geht, spart man an sich selbst. Ungesunde Ernährung ist günstig. 500g Nudeln kosten 39 Cent. Ein Apfel auch. Von Nudeln mit Butter wird man zwar nicht richtig oder nicht lange genug satt, aber die Kalorienanzahl stimmt immerhin. Im Körper herrscht trotzdem ständig Alarm, denn der Kreislauf schwankt mehrmals täglich zwischen Kohlenhydrat-Überschuss, der in Fettpolster umgeleitet wird, und Blutzuckermangel, aus dem Heißhunger erwächst. Wer als Kind so lebt, ist in der Schule natürlich nicht fit, schreibt schlechte Noten und wird nach der 4. (mancherorts 6.) Klasse so einsortiert, dass aus diesem Missstand Normalität wird. Für mehr hat es halt nicht gereicht. Ob das an der Begabung, dem Arbeitswillen oder den Umständen lag, interessiert häufig nicht.

Wenn die Eltern entweder den ganzen Tag arbeiten, um sich irgendwie über Wasser zu halten, oder sich nach jahrelanger Mangelverwaltung aufgegeben haben und nur noch versuchen Sanktionen seitens der Sozialbehörden zu entkommen, tun sich natürlich Lücken in der Erziehung auf. Wie soll man Haushaltsgeld, Lagerhaltung und gesunde Ernährung lernen, wenn nie über Geld geredet wird, der Wocheneinkauf purer Stress für die Eltern ist, den sie nur schnell hinter sich bringen möchten, und unter der Woche höchstens mit der Mikrowelle gekocht wird?

Kein Geld haben und sich aufgeben, nicht mehr vernünftig aus dem Bett kommen oder schlicht keine Kleidung haben, mit der man sich sehen lassen will, all das sind Faktoren, mit denen manche Eltern kämpfen müssen, die die Erziehung gefährden und mittelfristig zu sozialer Isolation führen. Alkohol und Nikotin lindern das Leid ein wenig, schmälern die Haushaltskasse aber auch ungemein. Manches Kind musste schon bis zum Monatsende mit kaputten Schuhen und nassen Füßen herumlaufen, weil Mama und/oder Papa nicht auf ihre Zigaretten verzichten konnten.

So lernt man falsche Prioritäten zu setzen oder weiß schlicht nicht, welche Möglichkeiten man hat. Ich lerne gerade, kurz vor meinem 30. Geburtstag, wie man eine Küche richtig putzt. Richtige Zahnhygiene habe ich mir mit 24 selbst (wieder) beibringen müssen. Lagerhaltung war nie ein Thema, denn es war sowieso nie Geld da, um mehr zu kaufen, als man in den kommenden Tagen brauchen würde. So sammeln sich die Dinge, die man nie gelernt hat:

  • Das Bad oder die Küche richtig entlüften, um Schimmelbildung zu vermeiden.
  • Mehr als ein Paar Schuhe haben und diese abwechselnd benutzen, damit sie nicht stinken und nach einem halben Jahr durchgelaufen sind.
  • Ein Budget machen, damit auch nach dem 20. noch Geld da ist.
  • Tropfende Wasserhähne, verhakte Fensterläden und nicht anspringende Heizkörper sind kein Normalzustand und können behoben werden.
  • Kleidung bügeln und richtig aufhängen, damit man nicht aussieht, als lebe man aus dem Wäschekorb.
  • Sich bei Zahlungsverzug beim Schuldner melden und eine Lösung finden, statt zu hoffen, dass es nicht auffällt und die Mahnkosten zahlen.
  • Langfristige Ziele formulieren und schrittweise darauf hinarbeiten, statt sich von einer Krise zur nächsten hangeln.
  • Und vieles mehr…

Das geht an die Gesundheit und ans Wesen. Umso mehr, wenn das Hirn irgendwann nach Ausflüchten sucht. Alkohol, Nikotin, Schokolade, Videospiele, Fernsehen, Sex; die Lösungsansätze sind so verschieden wie die Probleme. Aber sie alle produzieren kaputte Menschen, die mit sich und ihrer Umwelt nicht umzugehen wissen.
Menschen, die an scheinbar trivialen Problemen scheitern, weil sie Grundlegendes nie gelernt haben.
Menschen, die Termine nicht einhalten können und die sich ausgeschlossen fühlen, wenn andere von ihrem Urlaub erzählen, weil sie in den letzten 20 Jahren nie mehr als 50 Kilometer von ihrer Wohnung entfernt waren.
Menschen, die viermal so oft krank sind wie andere, weil sie sich nicht warm genug kleiden (können), ungesund essen und lieber eine Erkrankung drei Wochen lang verschleppen, als einmal siebzehn Euro – die sie nicht haben – für ein Medikament zu bezahlen.
Menschen, die weinend im Supermarkt stehen, weil sie die ganze Woche über mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert wurden und die Kekse, mit denen sie sich für den beschissenen Tag entschädigen wollten, heute ausverkauft sind und sie nicht wissen wohin mit ihrem Frust, weil ihre Freunde sie aufgrund ihres Geldmangels schon lange nicht mehr zu abendlichen Aktivitäten einladen und ihre Partner genauso kaputt sind wie sie und sie. Einfach. Nicht. Mehr. Können.

Als Altkanzler Schmidt sagte, dass manches, was man heute als Armut beklagt, in seiner Kindheit beinahe kleinbürgerlicher Wohlstand gewesen wäre, hätte ich ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt. Der kleinbürgerliche Wohlstand war Normalität, war das Niveau aller, war kein Grund auf jemanden herabzublicken, ihn auszuschließen, etwas das man verstecken musste und worunter man litt. Als Thilo Sarrazin vorrechnete, wie man vom ALG-II Regelsatz abwechslungsreich essen könne, konnte mir keiner erklären, wo es so kleine Packungen zu kaufen gibt, dass ich nicht die Hälfte meines abwechslungsreichen Einkaufs nach 2 Wochen wegschmeißen muss. Und natürlich muss alles vom Billigsten sein. Schweinefleisch für 4,99 € das Kilo. Butter möglichst geschmacklos, vielleicht noch preisreduziert. Brot natürlich nur in der günstigen Weißmehlausführung. Saft nur als Konzentrat, das nach Plastik und Schwimmbadwasser schmeckt Wer auf dem Land lebt, wo es statt Netto und Penny nur einen Edeka gibt, der hat halt Pech gehabt. Mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten muss man alleine zurecht kommen. Verantwortung übernehmen, für sich und sein kaputtes Erbgut.

Wenn das Geld alle ist, zahlt man mit etwas anderem. Mit Zeit, physischer und psychischer Gesundheit oder mit seinem sozialen Stand. Diese Faktoren kann oder will niemand mit Geld bemessen und weil das alles ist, was zählt, schlagen alle ratlos die Hände über den Köpfen zusammen, wenn junge Menschen nach der Schule ins Berufsleben übertreten und sich dort in vieler Hinsicht als menschlich völlig untauglich erweisen. Dann sind wieder alle Schuld: Die Eltern, die Lehrer, die Kultusminister, die Videospiele, das Fernsehen, das Internet. Nur nicht das fehlende Geld und die daraus erwachsenen, über Jahrzehnte anerzogenen schlechten Eigenschaften. Denn über Geld redet man nicht. Aber irgendwie bezahlt man immer.

Empfehlungen V

18. September 2017
Kategorie: Blog, Allgemein

Autor: William Gibson
Gibson gilt als Erfinder des Cyberpunk Genres und zählt mit bisher 11 veröffentlichten Romanen sicher nicht mehr als Geheimtipp. Trotzdem sind seine Werke in Deutschland anscheinend nicht allzu bekannt, weswegen ich ihn hier erwähne. Neben seinen techno-futuristischen Werken, hat er nach der Jahrtausendwende einige Bücher veröffentlicht, die wesentlich näher an der Gegenwart angesiedelt sind und bereits laufende Entwicklungen aufgreifen und konsequent durchexerzieren, statt sie auf Jahrzehnte in die Zukunft zu extrapolieren. Sprachlich sticht seine zielsichere Verwendung von Vergleichen hervor, in welchen er gerne Elemente der Popkultur verschiedenster Kulturräume aufgreift, diese miteinander verbindet und dadurch greifbar macht. Seine Charaktere erinnern punktuell an Tarantino, seine Ortsbeschreibungen gelegentlich an die Panoramahintergründe aus den nahfuturistischen Animes der 80er und 90er-Jahre. Einsteigern empfehle ich die Sprawl-Trilogie (bestehend aus den Romanen Neuromancer, Count Zero, Mona Lisa Overdrive) oder seinen ersten kontemporären Roman Pattern Recognition.

Horror-Spiel: Darkwood
Wer interaktiven Horror mag, mit Jumpscares aber nicht zurecht kommt, für den ist dieses Spiel gemacht. In Top-Down Perspektive und aufgebohrter Pixeloptik übernimmt man die Kontrolle über einen Mann, der sich in den 80er Jahren in einem Wald in Osteuropa verirrt und dabei auf eine alptraumhafte Gegend stößt, in der er sich mit wilden Tieren, bizarren Misch-Menschen, Geistererscheinungen und dem Wald selbst auseinandersetzen muss. Die Präsentation ist genauso stimmungsvoll wie die Musik und Ton-Effekte und die Handlung wird stimmungsvoll sowohl durch die Umwelt, als auch durch einige wenige Begegnungen mit anderen Überlebenden erzählt. Vor allem aber ist man sich immer bewusst, ein Eindringling in einer feindlichen Umwelt zu sein, die einen tot sehen möchte. Seid geduldig, habt Respekt vor dem Wald und meidet die Finsternis.

Das beste daran? Die Entwickler haben sich entschlossen, dass Spiel legal und kostenlos (allerdings nur mit den notwendigsten Fehler-Korrekturen) als Torrent zur Verfügung zu stellen. Wenn es euch gefällt, könnt ihr das Spiel für 14 € auf Steam erwerben.

YouTube-Kanal: Historia Civilis
Die mediterrane Antike ist eine der faszinierendsten Epochen der menschlichen Geschichte. Viele berühmte Reiche entstanden und fielen in diesem Umfeld, doch alle werden im Rückblick vom Römischen Reich überschattet. Dieser YouTube Kanal betrachtet Schlaglichtartig bedeutende Persönlichkeiten, Ereignisse und Institutionen der Römischen Reichs und seiner Nachbarn, Konkurrenten und Zeitgenossen. Die Darstellung ist minimalistisch, aber effektiv und die Informationsdichte für meinen Geschmack genau richtig. Die Videos sind zwischen 5 und ca. 25 Minuten lang und nehmen oft Bezug aufeinander, sodass man im Laufe der Zeit ein gutes Verständnis für die Zusammenhänge der Ereignisse entwickelt. Gelegentliche Ausflüge, zum Beispiel zu den Kreuzzügen und der NATO, runden das Angebot ab.

Affiliate Links

17. September 2017
Kategorie: Blog, Allgemein, Geschäftliches

Werbung im Internet nervt. Nicht unbedingt aus Prinzip, aber insbesondere dann, wenn sie aufdringlich ist. Ton, bewegte Bilder und aufpoppende Banner und Fenster sind ein absolutes No-Go. Kleine Webseiten verzichten aus Prinzip oft komplett auf Werbung (Eigenwerbung ausgenommen), so wie ich es bisher auch getan habe. Das wird sich in Zukunft minimal ändern.

In diversen meiner Beiträge empfehle ich Bücher, Filme und andere Devotalien oder benenne sie als Quelle. Wo möglich, habe ich diese Produkte auch verlinkt, damit der geneigte Leser nicht selbst danach suchen muss. Links, die zum großen A führen, werde ich in Zukunft als Affiliate Links setzen. Ebenso wird es in der Seitenleiste einen nicht allzu großen Button geben, auf den ihr klicken könnt, wenn ihr sowieso dort einkaufen wollt und ein paar Cent in meine Richtung schicken möchtet. Alle Affiliate-Links werden als solche gekennzeichnet, damit niemand aus Versehen über einen solchen einen Einkauf tätigt.

Was nicht passieren wird ist, dass ich jede noch so obskure oder unbedeutende Quelle erwähne und verlinke. Was vorher nicht verlinkt worden wäre, wird es auch jetzt nicht. Obwohl sich für euch also hoffentlich gar nichts, außer den erwähnten Hinweisen, ändert, ist es mir wichtig diese Information vorab an euch weiterzugeben. Geld macht vorsichtig und misstrauisch, daher ist Ehrlichkeit doppelt wichtig. Nur wer aus Prinzip gegen solche Programme ist wird in Zukunft wohl selbst das große A öffnen und den Titel in die Suchleiste kopieren müssen. Aber damit kann ich leben.

Vom Liken lernen

2. August 2017
Kategorie: Blog, Allgemein

Als ich vor bald fünfzehn Jahren ein ICQ-Konto registrierte, gehörte ich vielleicht nicht zur Speerspitze der Entwicklung, aber doch zu den früheren Nutzern textbasierter Kommunikation. E-Mails waren bereits relativ verbreitet, wurden von vielen aber als reine Spielerei betrachtet. Profis und Enthusiasten tummelten sich in Newsgroups und auf IRC-Servern und wer ein Handy besaß, konnte natürlich auch SMS versenden. Für die meisten Menschen bedeutete textbasierte Kommunikation aber immer noch einen Brief zu schreiben.

Wie alles Neue, galt die textbasierte Kommunikation als minderwertig. Wer nur miteinander schreibe, könne doch gar keine echte Bekanntschaft aufbauen, keine Freundschaften schließen und sich auch nicht lieben lernen. Wie sehr diese Aussagen an der Lebensrealität vorbeigingen, hätte die Beobachtung jeder beliebigen Unterhaltungen nach Schulschluss eröffnet: „Bist du nachher noch on?“, war eine oft gestellte Frage, denn wir nutzten Kurznachrichtendienste vor allem, um mit Freunden und Schulkameraden in Kontakt zu bleiben.

Reine Internetbekanntschaften wurden häufig nur von gemeinsamen Interessen getragen. Erlosch das gemeinsame Interesse, endete auch die Bekanntschaft. Viel wichtiger war uns, wie einfach die Kurznachrichtendienste es machten mit Freunden und Bekannten Kontakt zu halten. Niemand käme auf die Idee, zwischen den Deutsch und Mathe-Hausaufgaben kurz zu den Nachbarn zu gehen, um sich über die Wochenendpläne oder den Stand der Beziehung zu unterhalten. Eine Textnachricht jedoch war schnell abgesetzt, kostenlos (im Gegensatz zum Telefonat oder der SMS) und konnte vom Empfänger gelesen und beantwortet werden, wann er Zeit hatte. Antwortzeiten von Minuten oder Stunden waren normal.  Diese asynchrone Kommunikation machte es viel einfacher den Kontakt zu erhalten, weil man auch dann miteinander reden konnte, wenn man nicht gleichzeitig einen freien Moment hatte.

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(Autoren)Dasein – Stand Januar 2017

15. Januar 2017
Kategorie: Blog, Allgemein, Geschäftliches, Schreiben

2016 war ein aufregendes Jahr für mich. Persönlich stand es im Zeichen der fortschreitenden Genesung und der damit einhergehenden Frage, was ich mit meinem Leben eigentlich anfangen möchte. In 12 Jahren Schule, 7 Jahren Studium und 2 Jahren Krankheit gab es stets einen roten Faden, an dem ich mich orientieren konnte. Nach bald drei Jahrzehnten auf dieser Welt stand die Erkenntnis, dass ich vor allem wusste wofür ich mein Leben nicht verwenden wollte. Die Freiheit zu wählen erwies sich auch als Verpflichtung zu wählen, denn ohne Richtung gibt es kein Vorankommen.

Die Entscheidung, wie ich meine Karriere weiterführen wollte, war dann auch dadurch motiviert, was ich nicht tun wollte. Die Schriftstellerei war keine selbstverständliche Entscheidung. Ich schreibe bereits seit meiner Kindheit und entwerfe seit meiner Jugend Welten und erzähle Handlungen in diesen. Aber ich blieb stets nah an meinem Werk und konnte es noch in der Erzählung anpassen. Eine Geschichte zu erschaffen, die losgelöst von mir bestehen kann – bestehen muss! – ist eine Aufgabe von anderem Kaliber. Aber die Mischung aus kreativem Schaffen und der vergleichsweise guten Vereinbarkeit mit anderen (Teilzeit-)Tätigkeiten überzeugte mich es zumindest zu probieren. Nach 8 Monaten Probephase will ich mehr – etwas was ich von vorangegangenen Berufserfahrungen nicht behaupten kann.

Der Rückblick

2016 war ein Jahr der Findung.
Im Frühjahr habe ich meinen ersten schriftstellerischen Schritt getan und mit einer Freundin eine Lesung gehalten, die zu unserer Freude nicht nur von Freunden und Bekannten besucht war. Kurz darauf erfolgte der Beitritt bei den BartBroAuthors, jenem verrückt-genialen Autorenverbund, der mich bis heute mit Motivation und guter Gesellschaft versorgt.
Im Sommer kam das Angebot mich an einer (noch nicht öffentlich angekündigten) Anthologie zu beteiligen. Mein Beitrag ist bereits eingereicht und akzeptiert; ein kleiner aber wichtiger Erfolg und zudem gut fürs Ego.
Im Oktober folgte die Vereinsgründung der BartBroAuthors, wo ich seitdem in offizieller Kapazität tätig bin und mich um Bewerbungen und die Eingliederung der Neubärte kümmere.
Im Dezember dann die zweite und dritte Lesung, einmal alleine und gegen Honorar, einmal zu zweit und vor vielen neuen Gesichtern. Letztere fand auszugsweise sogar den Weg ins Lokalradio. Der Beitrag dürfte hier bald zum Download bereit stehen.
Seit dem Herbst probierte ich zudem verschiedene Arbeitsmethoden, um aus der begrenzten Kraft das meiste herauszuholen. Das Ergebnis dieser Suche könnt ihr in meinem vorangegangenen Beitrag zur Sitzungs-Methode lesen.

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Effizient arbeiten mit der Sitzungs-Methode

30. Dezember 2016
Kategorie: Blog, Allgemein, Schreiben

Über das „richtige“ Arbeiten haben sich bereits Menschen ausgelassen, die wesentlich qualifizierter sind als ich. Ich will daher auch nicht so tun, als wäre mir eine weltbewegende Entdeckung gelungen. Aber wenn mir eine Methode auffällt, die (mit leichten Anpassungen) für verschiedenste Leute funktioniert, dann kann man darüber schon mal ein paar Worte verlieren. Außerdem gibt mir das Thema Gelegenheit ein paar Sachen zu pimpen oder zu erwähnen, die mir sowieso am Herzen liegen. Alles klar? Alles klar!

Auf die Mischung kommt es an

Die Situngs-Methode ist im Prinzip nur eine Vorgehensweise, seine Arbeitszeit zu strukturieren. Dafür wird jede Aufgabe solange in kleinere Teile zerlegt, bis jedes Teil in seiner Gesamtheit erfasst werden und am Stück vollendet werden kann. Der Zeitraum, in dem man diese Teilaufgabe fertig stellt, ist die namensgebende Sitzung.

Die korrekte Auswahl der Sitzungslänge ist ein Schlüssel zum Erfolg der Methode, denn die Idee ist Fortschritt greif- und messbar zu machen und Arbeit gleichzeitig in so kleine Happen zu zerteilen, dass man davon nicht erschöpft wird. Ebenso wichtig ist die darauffolgende Pause, die, je nachdem wie die vorangegangene Sitzung verlief, kürzer oder länger sein kann. Es ist aber wichtig diese Pausen auch tatsächlich zu nehmen, denn dadurch wird der zweite Eckpfeiler dieser Methode umgesetzt: die Abwechslung.

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Vom (keine) Zeit haben [2/3]

19. September 2016
Kategorie: Blog, Allgemein

Lange bevor ich verstand, wie viel Zeit ich einmal mit Arbeit und allen sich daraus ergebenden Verpflichtungen verbringen würde, hatte ich mich bereits an einem anderen Zeitfresser versucht. Wie konnte ich auch nicht bemerken, dass ich ein gutes Drittel meines Lebens an unproduktive Bewusstlosigkeit verlor? Mein Umfeld bestärkte mich in meiner Einschätzung: Wer wenig schlief war fleißig. Wer viel (oder spät) schlief galt als faul. Schlaf war ein verzichtbarer Luxus, den man sich am Wochenende gönnte, wenn es nichts wichtigeres zu tun gab.

Warum wir schlafen ist bis heute nicht geklärt, aber dass wir ausreichend gesunden Schlaf brauchen, um zu funktionieren, ist unumstritten. Um Schlaf kommen wir nicht herum. Daher bleibt uns wenig, als ihn angenehm und effizient zu gestalten, um unsere wachen Stunden optimal nutzen zu können. Umso mehr verwundert, was für ein verqueres Verhältnis wir zum Schlaf haben:
Die ersten eineinhalb Jahrzehnte unseres Lebens sind wir nicht Herr unseres Schlafs, werden im schlimmsten Fall sogar damit bestraft früh schlafen gehen zu müssen. Anders als im Berufsleben gibt es zudem keinerlei Toleranz für unterschiedliche Schlafzeiten, obwohl die Forschung sich weitgehend sicher ist, dass wir als Jugendliche erst im Verlauf des Vormittags richtig wach werden und dass die Bevölkerung bezüglich ihrer natürlichen Schlafzeiten sehr gespalten ist.

In diese Gemengelage aus schlechten Gewohnheiten preschen Ratgeber, die vom erholten Aufwachen erzählen und Besserung versprechen. Auf diese Versprechen stürzen sich Millionen, statt auf die besten Informationsquelle bezüglich unseres Wohlbefindens zu hören: Ihren Körper. Wir Menschen sind erstaunlich gut darin zu erkennen, wenn wir etwas brauchen. Mangelt es uns an bestimmten Nährstoffen, dann bekommen wir Appetit auf Nahrungsmittel, die diese enthalten. Zu wenig Vitamin D treibt uns in die Sonne und unsere Gefühlslage manifestiert sich in körperlichen Reaktionen. Wenn wir Schlaf benötigen, werden wir müde. Sind wir nicht müde, dann benötigen wir auch keinen Schlaf.

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Vom (keine) Zeit haben [1/3]

20. August 2016
Kategorie: Blog, Allgemein

Vielleicht die erschreckenste Erkenntnise auf meinem Pfad vom Kind zum Erwachsenen war, dass ich plötzlich nicht mehr Herr meiner Zeit war. So sehr es mich damals störte zur Schule gehen zu müssen, so zufrieden war ich mit der Zeit die mir vom Nachmittag bis zum späten Abend blieb, nur unterbrochen von ein bisschen Hausaufgaben. Selbst der gelegentliche Einkauf für die Eltern, Geschirr spülen oder das Wohnzimmer durchzusaugen taten dem keinen Abbruch.

Mittlerweile ist „Dafür habe ich keine Zeit“ der häufigste Grund, warum ich etwas, das ich eigentlich gerne tun würde, nicht mache. Der Grund dafür scheint offensichtlich: Zeit ist ein Nullsummenspiel, denn jede Minute die ich auf eine Sache verwende kann ich nicht auf eine andere Sache verwenden. Der Wunsch nach mehr Zeit ist ebenso weit verbreitet wie das schale Gefühl, etwas zu verpassen, weil man so eingespannt ist. Aber man kann die Dinge auch anders sehen. Eine optimistischere Formulierung könnte lauten: Es gibt so viele so tolle Sachen in meinem Leben, dass diese Sache einfach nicht toll genug ist um eine davon zu ersetzen. Ein Leben voller toller Sachen, die das Leben schöner machen (wer erkennts?), das wäre wahrlich kein Grund traurig zu sein.

Verplant, verzettelt, verloren

Der Grund für unseren Zeitmangel ist leider nicht, dass wir so viele tolle Sachen tun, dass für die nicht ganz so tollen Sachen keine Zeit bliebe. Stattdessen verbringen wir den größten Teil unsereres Lebens mit drei Dingen: Arbeit, Schlaf und Haushalt.

Nun ist es nicht so, als ob es sich vermeiden ließe mit diesen drei Zeit zu verbringen. Aber es gibt Wege mehr aus der eingesetzten Zeit zu machen. Essentiell dafür ist ein Bewusstsein, ob man seine Zeit sinnvoll einsetzt. Gerade beim Thema Arbeit behaupte ich – und begebe mich damit vielleicht auf dünnes Eis – dass wir Deutschen ziemlich schlecht darin sind unsere Zeit zu managen.

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