Vom Geschichten erzählen

4. Mai 2016
Kategorien: Blog, Schreiben

Hinter dem Schreiben einer Geschichten verstecken sich zwei sehr unterschiedliche Vorgänge, die im normalen Sprachgebrauch gerne in einen Topf geworfen werden. Dabei ist es wichtig und hilfreich diese Vorgänge unterscheiden zu können, denn wer nicht weiß woran er gerade arbeitet, der wird nur selten Erfolg haben. Sachbücher einmal ausgeklammert, ist die Geschichte das Fundament eines jeden Textes, der am Ende eines Schreibvorgangs stehen soll. Eine gute Geschichte hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Dazu ein paar Überraschungen, einen oder mehrere Protagonisten und einige Handlungsorte. Ohne sie ist eine Geschichte nur ein Text, dessen Sinn sich dem Leser nicht erschließt.

Doch eine gute Geschichte zu erzählen reicht nicht aus. Ganz im Gegenteil ist es sogar so, dass viele gute Geschichten keine Interessenten finden. Nicht weil sie langweilig wären, sondern weil sie nicht gut erzählt sind. Auch das schönste Gedicht und die aufregendste Rede verlieren jede Wirkung, wenn sie präsentiert werden wie die Vokabeln in einem Wörterbuch. Man muss eine gute Geschichte gut erzählen um Gehör zu finden.

Wer als Autor erfolgreich werden möchte, der kommt nicht umhin beide Fähigkeiten zu lernen: Gute Geschichten zu erzählen und Geschichten gut zu erzählen. Beides lässt sich – ein Mindestmaß an Fantasie vorausgesetzt – erlernen, doch die Ratschläge die dazu gegeben werden sind, meiner Meinung nach, oft die falschen. Mit der Fertigstellung des ersten Entwurfs ist das Geschichten erzählen noch nicht abgeschlossen. Es gilt zu prüfen ob die Geschichte so, wie sie niedergeschrieben wurde, für den Leser interessant und unterhaltsam ist. Oft ist das nicht oder nur bedingt der Fall und die Gründe dafür sind mannigfaltig. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe einfacher Methoden, um den größten Problemen auf den Leib zu rücken. Viele Autoren jedoch überspringen diesen Schritt in der Annahme, dass die Geschichte nach all dem Nachdenken so gut erzählt wurde, wie es ihnen nur möglich ist.

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Das Pseudonym: Warum heiße ich jetzt anders?

3. Mai 2016
Kategorien: Blog, Von und mit mir

Ein Pseudonym verspricht einen neuen Start. Unbelastet von der eigenen Vergangenheit und unter selbst gewählter Bezeichnung agiert es sich irgendwie doch anders. Es gibt viele gute Gründe sich für oder gegen ein Pseudonym zu entscheiden und wahrscheinlich ebenso viele gute Artikel zu diesem Thema. Meine Gründe waren sehr einfach: Mein Name ist so verbreitet, dass ich kaum zu finden wäre. Außerdem klingt er ziemlich langweilig und macht auch optisch nicht viel her. Nicht zuletzt hatte ich kein gutes Gefühl dabei: Ich konnte mir einfach keinen erfolgreichen Autoren mit diesem Namen vorstellen.

Den Namen zu ändern ist kein einfacher Schritt. Unser Name ist etwas sehr persönliches und kommt dem, was wir Identität nennen, sehr nahe. Selbst nachdem wir unseren letzten Atemzug getan haben und unsere sterblichen Überreste längst im Erdboden vergangen sind, steht unser Name noch immer für all jene Dinge, die wir getan und hinterlassen haben. Wie viel öfter können wir uns an die Namen bekannter Personen erinnern, nicht aber an ihre Gesichter? Wie viele wüssten zum Beispiel auf Anhieb wie Alexander der Große, Kleopatra, Pythagoras, Karl der Große, Shakespear, Beethoven oder Napoleon aussahen?

Seinen Namen zurück zu lassen ist daher oft eine unangenehme Vorstellung. Man ist plötzlich „jemand anderes“ und kann sich nur noch eingeschränkt auf seine bisherigen Erfahrungen zurück fallen lassen. Je weiter das Alter Ego von der echten Person entfernt ist, desto mehr Mühe kostet es, die Persona aufrecht zu erhalten. Die Alternative, das Pseudonym zweidimensional und leblos zu belassen, ist zwar auch möglich, raubt einem jedoch die Möglichkeit durch Lebenserfahrung Bande zu knüpfen. Eine persönliche Verbindung entsteht so nicht.

Natürlich ist auch jede Abstufung zwischen diesen Extremen möglich: So will einer vielleicht seine Privatsphäre schützen und wählt deswegen ein Pseudonym. Die eigene Lebensgeschichte muss man zu diesem Zweck jedoch nicht verschweigen. Ein anderer möchte einen Karriereschritt machen, ohne sein bisheriges Wirken damit in Verbindung zu bringen. Eine Autorin erotischer Literatur möchte zum Beispiel vielleicht nicht, dass ihre technischen Ratgeber mit ihren anderen Veröffentlichungen in einer Amazon-Suche auftauchen.

Ich wollte einfach einen besser klingenden und einprägsameren Namen. Anders fand ich sowieso schön und da ich auch im echten Leben anders bin, passte es gleich in mehrerer Hinsicht. Da ich in verschiedenen Genres schreibe könnte es sich zudem eines Tages als nützlich erweisen, bereits Erfahrungen im Umgang mit einem fremden Namen zu haben. Außerdem habe ich meinen Vornamen behalten, sodass ich zumindest darauf wie gewohnt reagieren kann 🙂

The Tolkien Disease

2. Mai 2016
Kategorien: Blog, Allgemein

Die was? Eine gute Frage, schließlich findet sich nicht einmal im unendlichen Internet eine Erklärung dafür, was mit diesem Begriff wohl gemeint ist. Bis heute zumindest.

Namensgeber John Ronald Reuel Tolkien wird von vielen als der Begründer der modernen Phantastik betrachtet. Viele Archetypen wurden von ihm erstmals, oder zumindest erstmals so wie wir sie kennen, verwendet. Sein bekanntestes Werk, Der Herr der Ringe, beeindruckt Leser auch weiterhin und das unter anderem, weil es in einer Welt spielt, die so umfangreich ausgearbeitet ist, wie kaum eine andere.

Ein halbes Dutzend fiktiver Sprachen, zehntausende Jahre Geschichte, phantastische Spezies wie Elfen, Orks, Trolle, Ents und natürlich Wesen wie die Nazgûl, Balrog und Mayar beeindrucken nicht nur durch schiere Macht, sondern auch weil hinter jeder einzelnen Figur eine Geschichte steckt. Man hat das Gefühl, dass hinter jeder Flussbiegung, der die Protagonisten nicht folgen, eine andere, ebenso umfangreiche Geschichte wartet. Das Schicksal von Königreichen, mächtigen Kriegern und uralten Zauberschmieden wird in Halbsätzen angerissen und liegen gelassen. Nicht weil es nicht interessant wäre, sondern weil unter dem nächsten Stein eine noch epischere Erzählung wartet.

Den Vorgang, in dem ein Autor solche Welten erschafft, nennt man Weltenbau (vom Englischen worldbuilding). Das Bedürfnis genau dies zu tun wohnt mir seit eineinhalb Jahrzehnten inne und ist so stark, dass ich es manchmal scherzhaft als „Weltenbauerkrankheit“ bezeichne. Dutzende Collegeblöcke voll mit Notizen und sicherlich über hundert nie genutzte Karten sind stumme Zeugen der schlaflosen Nächte meiner Schulferien, die ich nicht mit Videospielen, sondern Stift und Papier verbrachte.

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