Kategorie: Blog

Irgendwie bezahlt man immer

25. Oktober 2017
Kategorie: Blog, Allgemein

Über Geld redet man nicht. Über kein Geld schon gar nicht. Die Deutschen haben ein verkrampftes Verhältnis zum Geld. Kein Wunder, schließlich haben wir nie gelernt damit umzugehen und machen u.a. deswegen immer wieder schlechte Erfahrungen damit. Nach dem Debakel, das Anleger in den 90ern mit der „Volksaktie“ Telekom durchlitten hatten, wandten sich viele potenzielle Investoren angewidert vom Thema Geldanlage ab. Dabei hätte jeder mäßig kompetente Anlageberater ihnen als allererstes davon abgeraten, ihr Vermögen in nur eine Anlage zu investieren. Doch statt sich solche grundlegenden Kenntnisse anzueignen, beschweren wir uns lieber über die knapp-über-Null-Zinsen, die es auf dem Tagesgeldkonto gibt und tragen doch brav all unser Erspartes dorthin, sodass die Bank keinerlei Anlass hat, uns ein besseres Angebot zu machen.

Nichts über Finanzen zu wissen ist in Deutschland bizarrer weise fast schick. Man redet in der Familie nicht über Geld, egal ob Budget, Kredit oder Aktienfonds. Die Kollegen nach dem Verdienst zu fragen ist unhöflich und in der Schule kommt das Thema vielleicht als Rechenbeispiel im Mathe Unterricht vor. Oder wie eine Abiturienten es 2015 formulierte:

Dieses Unwissen ist schädlich genug, wenn man Erspartes hat, doch es trifft diejenigen besonders schlimm, die sowieso nichts haben. Kein Geld haben und damit auch nicht umgehen können, ist der schnellste Weg in die Armutsfalle, aus der man aus eigener Kraft kaum mehr entkommt. Denn arm sein ist teuer. Sehr teuer. Das alte Sprichwort „Wer billig kauft, kauft mehrfach“ ist nur die Spitze des Eisbergs versteckter Kosten, die man nie zu Gesicht bekommt, wenn auf dem eigenen Konto zumindest ein kleiner Puffer liegt. Ersatzbeschaffungen schlagen monatelange Löcher ins Budget, Schuldzinsen fressen jeden noch so kleinen Überschuss auf und die Lebenshaltungskosten sind höher als in manchem Haushalt der Mittelschicht, weil man Einsparmöglichkeiten nicht nutzen kann. Egal wie günstig das Gemüse diese Woche ist, wenn man es in seiner kleinen Wohnung nicht sinnvoll lagern kann, ohne Auto nicht transportiert bekommt und sowieso nur noch 4,81 € in der Tasche hat, dann kann man nicht auf Vorrat kaufen.

Wenn gar nichts mehr geht, spart man an sich selbst. Ungesunde Ernährung ist günstig. 500g Nudeln kosten 39 Cent. Ein Apfel auch. Von Nudeln mit Butter wird man zwar nicht richtig oder nicht lange genug satt, aber die Kalorienanzahl stimmt immerhin. Im Körper herrscht trotzdem ständig Alarm, denn der Kreislauf schwankt mehrmals täglich zwischen Kohlenhydrat-Überschuss, der in Fettpolster umgeleitet wird, und Blutzuckermangel, aus dem Heißhunger erwächst. Wer als Kind so lebt, ist in der Schule natürlich nicht fit, schreibt schlechte Noten und wird nach der 4. (mancherorts 6.) Klasse so einsortiert, dass aus diesem Missstand Normalität wird. Für mehr hat es halt nicht gereicht. Ob das an der Begabung, dem Arbeitswillen oder den Umständen lag, interessiert häufig nicht.

Wenn die Eltern entweder den ganzen Tag arbeiten, um sich irgendwie über Wasser zu halten, oder sich nach jahrelanger Mangelverwaltung aufgegeben haben und nur noch versuchen Sanktionen seitens der Sozialbehörden zu entkommen, tun sich natürlich Lücken in der Erziehung auf. Wie soll man Haushaltsgeld, Lagerhaltung und gesunde Ernährung lernen, wenn nie über Geld geredet wird, der Wocheneinkauf purer Stress für die Eltern ist, den sie nur schnell hinter sich bringen möchten, und unter der Woche höchstens mit der Mikrowelle gekocht wird?

Kein Geld haben und sich aufgeben, nicht mehr vernünftig aus dem Bett kommen oder schlicht keine Kleidung haben, mit der man sich sehen lassen will, all das sind Faktoren, mit denen manche Eltern kämpfen müssen, die die Erziehung gefährden und mittelfristig zu sozialer Isolation führen. Alkohol und Nikotin lindern das Leid ein wenig, schmälern die Haushaltskasse aber auch ungemein. Manches Kind musste schon bis zum Monatsende mit kaputten Schuhen und nassen Füßen herumlaufen, weil Mama und/oder Papa nicht auf ihre Zigaretten verzichten konnten.

So lernt man falsche Prioritäten zu setzen oder weiß schlicht nicht, welche Möglichkeiten man hat. Ich lerne gerade, kurz vor meinem 30. Geburtstag, wie man eine Küche richtig putzt. Richtige Zahnhygiene habe ich mir mit 24 selbst (wieder) beibringen müssen. Lagerhaltung war nie ein Thema, denn es war sowieso nie Geld da, um mehr zu kaufen, als man in den kommenden Tagen brauchen würde. So sammeln sich die Dinge, die man nie gelernt hat:

  • Das Bad oder die Küche richtig entlüften, um Schimmelbildung zu vermeiden.
  • Mehr als ein Paar Schuhe haben und diese abwechselnd benutzen, damit sie nicht stinken und nach einem halben Jahr durchgelaufen sind.
  • Ein Budget machen, damit auch nach dem 20. noch Geld da ist.
  • Tropfende Wasserhähne, verhakte Fensterläden und nicht anspringende Heizkörper sind kein Normalzustand und können behoben werden.
  • Kleidung bügeln und richtig aufhängen, damit man nicht aussieht, als lebe man aus dem Wäschekorb.
  • Sich bei Zahlungsverzug beim Schuldner melden und eine Lösung finden, statt zu hoffen, dass es nicht auffällt und die Mahnkosten zahlen.
  • Langfristige Ziele formulieren und schrittweise darauf hinarbeiten, statt sich von einer Krise zur nächsten hangeln.
  • Und vieles mehr…

Das geht an die Gesundheit und ans Wesen. Umso mehr, wenn das Hirn irgendwann nach Ausflüchten sucht. Alkohol, Nikotin, Schokolade, Videospiele, Fernsehen, Sex; die Lösungsansätze sind so verschieden wie die Probleme. Aber sie alle produzieren kaputte Menschen, die mit sich und ihrer Umwelt nicht umzugehen wissen.
Menschen, die an scheinbar trivialen Problemen scheitern, weil sie Grundlegendes nie gelernt haben.
Menschen, die Termine nicht einhalten können und die sich ausgeschlossen fühlen, wenn andere von ihrem Urlaub erzählen, weil sie in den letzten 20 Jahren nie mehr als 50 Kilometer von ihrer Wohnung entfernt waren.
Menschen, die viermal so oft krank sind wie andere, weil sie sich nicht warm genug kleiden (können), ungesund essen und lieber eine Erkrankung drei Wochen lang verschleppen, als einmal siebzehn Euro – die sie nicht haben – für ein Medikament zu bezahlen.
Menschen, die weinend im Supermarkt stehen, weil sie die ganze Woche über mit ihrer eigenen Unzulänglichkeit konfrontiert wurden und die Kekse, mit denen sie sich für den beschissenen Tag entschädigen wollten, heute ausverkauft sind und sie nicht wissen wohin mit ihrem Frust, weil ihre Freunde sie aufgrund ihres Geldmangels schon lange nicht mehr zu abendlichen Aktivitäten einladen und ihre Partner genauso kaputt sind wie sie und sie. Einfach. Nicht. Mehr. Können.

Als Altkanzler Schmidt sagte, dass manches, was man heute als Armut beklagt, in seiner Kindheit beinahe kleinbürgerlicher Wohlstand gewesen wäre, hätte ich ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt. Der kleinbürgerliche Wohlstand war Normalität, war das Niveau aller, war kein Grund auf jemanden herabzublicken, ihn auszuschließen, etwas das man verstecken musste und worunter man litt. Als Thilo Sarrazin vorrechnete, wie man vom ALG-II Regelsatz abwechslungsreich essen könne, konnte mir keiner erklären, wo es so kleine Packungen zu kaufen gibt, dass ich nicht die Hälfte meines abwechslungsreichen Einkaufs nach 2 Wochen wegschmeißen muss. Und natürlich muss alles vom Billigsten sein. Schweinefleisch für 4,99 € das Kilo. Butter möglichst geschmacklos, vielleicht noch preisreduziert. Brot natürlich nur in der günstigen Weißmehlausführung. Saft nur als Konzentrat, das nach Plastik und Schwimmbadwasser schmeckt Wer auf dem Land lebt, wo es statt Netto und Penny nur einen Edeka gibt, der hat halt Pech gehabt. Mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten muss man alleine zurecht kommen. Verantwortung übernehmen, für sich und sein kaputtes Erbgut.

Wenn das Geld alle ist, zahlt man mit etwas anderem. Mit Zeit, physischer und psychischer Gesundheit oder mit seinem sozialen Stand. Diese Faktoren kann oder will niemand mit Geld bemessen und weil das alles ist, was zählt, schlagen alle ratlos die Hände über den Köpfen zusammen, wenn junge Menschen nach der Schule ins Berufsleben übertreten und sich dort in vieler Hinsicht als menschlich völlig untauglich erweisen. Dann sind wieder alle Schuld: Die Eltern, die Lehrer, die Kultusminister, die Videospiele, das Fernsehen, das Internet. Nur nicht das fehlende Geld und die daraus erwachsenen, über Jahrzehnte anerzogenen schlechten Eigenschaften. Denn über Geld redet man nicht. Aber irgendwie bezahlt man immer.

Review: Blade Runner 2049

13. Oktober 2017
Kategorie: Blog, Reviews & Empfehlungen

Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, welche Erwartungen ich an Blade Runner 2049 hatte. Natürlich kannte ich den Vorgänger, aber als ich diesen zum ersten Mal sah, war er bereits 20 Jahre alt und der Kontext, sodass mir der Kontext, in welchem er entstand, fehlte. Ebenso wenig habe ich die anscheinend deutlich schlechtere Kinofassung mit Voice-Over und Happy End gesehen, sondern nur den „Final Cut“, welcher der ursprünglichen Vision von Ridley Scott am nächsten kommen soll. Blade Runner war kein Teil der Geek-Kultur meiner Generation, sondern eines der vielen Vorbilder, deren Namen man zwar kennt, mit denen man aber nur wenig verbindet.

Worauf ich mich einlassen konnte, war die Stimmung. Die teilweise sehr überzeichnete Dystopie einer Zukunft, in der Menschen praktisch vollkommen ersetzbar werden. Allumfassende Düsternis, kontrastiert gegen das grelle Neon der allgegenwärtigen Werbung. Der stetig wachsende Einfluss asiatischer Ästhetik und ein brutaler Soundtrack, dessen massiver Einsatz von Synthesizern oftmals mehr Geräusch als Ton war und trotzdem so gut passte. Für den Nachfolger hoffte ich auf mehr von dieser Welt und ließ mich von der Handlung und den Charakteren überraschen. Einzig die drei Kurzfilme, die im Vorfeld veröffentlicht wurden und die Zeit zwischen den beiden Filmen beleuchten, gaben mir ein wenig Kontext für die Dinge, die da kommen würden.

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Weltenbau mit Bullshitting und Selbstvertrauen – Teil II: Die Illusion der Komplexität

5. Oktober 2017
Kategorie: Blog, Pen & Paper, Schreiben, Spielleiter Ecke, Worldbuilding

Dieser Beitrag ist Teil der Verschriftlichung der Konzepte, die ich in meiner Session auf dem LitCamp 2017 in Heidelberg vorgestellt habe. Eine Videoaufzeichnung des Vortrags wurde auf dem YouTube Kanal des LitCamps hochgeladen.

  • Teil I: „Systeme, Zwänge, Pen&Paper“ findet Ihr hier.
  • Teil II: „Die Illusion der Komplexität“ ist dieser Beitrag.

Das im letzten Beitrag vorgestellte System der Zwänge ist kein reines Phänomen des menschlichen Miteinanders, sondern findet sich in noch strengerer Form in den Wissenschaften. Physik, Chemie und Biologie, sowie die darauf aufbauenden Naturwissenschaften, bilden ein System, dass sich mit stetig komplexer werdenden Regeln beschreiben lässt. Physikalische Vorgänge sind (Quanteneffekte ausgelassen) geradezu einfach und vorhersehbar, doch bereits biologische Systeme (auch bekannt als Lebewesen) sind so komplex ineinander verkoppelt, dass wir nicht alle Zusammenhänge erfassen können. Könnten wir dies, wäre es ein leichtes zu jeder Krankheit und jedem Patienten den passenden Wirkstoff zu bestimmen und seine Wirkung ohne jeden Labortest vorherzusagen. Milliarden von Versuchstieren sind Zeuge, dass unser Verständnis von lebenden Organismen noch sehr rudimentär ist.

Systeme, Fallstricke und die Bedeutung kleiner Zahlen

Je größer ein System, desto schwieriger fällt es uns präzise Vorhersagen darüber zu machen. Spätestens beim Wetter weiß jeder aus leidvoller Erfahrung, wie schwierig es ist den Zustand des Gesamtsystems auch nur auf einige Tage hinaus vorherzusagen. Diesbezüglich ist unsere Wahrnehmung jedoch auch etwas verzerrt, denn während es in der Tat kaum möglich ist lokales Wetter für mehr als einige Stunden präzise vorherzusagen, sind regionale Prognosen selbst auf einige Tage hinaus sehr zuverlässig. Doch es gibt viele Faktoren in denen die Vorhersage falsch liegen könnte (Temperatur, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Bewölkung) und es reicht aus, wenn nur einer dieser Faktoren daneben liegt, um unsere Pläne zunichte zu machen, weil „die Wettervorhersage mal wieder falsch war“.

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Empfehlungen V

18. September 2017
Kategorie: Blog, Allgemein

Autor: William Gibson
Gibson gilt als Erfinder des Cyberpunk Genres und zählt mit bisher 11 veröffentlichten Romanen sicher nicht mehr als Geheimtipp. Trotzdem sind seine Werke in Deutschland anscheinend nicht allzu bekannt, weswegen ich ihn hier erwähne. Neben seinen techno-futuristischen Werken, hat er nach der Jahrtausendwende einige Bücher veröffentlicht, die wesentlich näher an der Gegenwart angesiedelt sind und bereits laufende Entwicklungen aufgreifen und konsequent durchexerzieren, statt sie auf Jahrzehnte in die Zukunft zu extrapolieren. Sprachlich sticht seine zielsichere Verwendung von Vergleichen hervor, in welchen er gerne Elemente der Popkultur verschiedenster Kulturräume aufgreift, diese miteinander verbindet und dadurch greifbar macht. Seine Charaktere erinnern punktuell an Tarantino, seine Ortsbeschreibungen gelegentlich an die Panoramahintergründe aus den nahfuturistischen Animes der 80er und 90er-Jahre. Einsteigern empfehle ich die Sprawl-Trilogie (bestehend aus den Romanen Neuromancer, Count Zero, Mona Lisa Overdrive) oder seinen ersten kontemporären Roman Pattern Recognition.

Horror-Spiel: Darkwood
Wer interaktiven Horror mag, mit Jumpscares aber nicht zurecht kommt, für den ist dieses Spiel gemacht. In Top-Down Perspektive und aufgebohrter Pixeloptik übernimmt man die Kontrolle über einen Mann, der sich in den 80er Jahren in einem Wald in Osteuropa verirrt und dabei auf eine alptraumhafte Gegend stößt, in der er sich mit wilden Tieren, bizarren Misch-Menschen, Geistererscheinungen und dem Wald selbst auseinandersetzen muss. Die Präsentation ist genauso stimmungsvoll wie die Musik und Ton-Effekte und die Handlung wird stimmungsvoll sowohl durch die Umwelt, als auch durch einige wenige Begegnungen mit anderen Überlebenden erzählt. Vor allem aber ist man sich immer bewusst, ein Eindringling in einer feindlichen Umwelt zu sein, die einen tot sehen möchte. Seid geduldig, habt Respekt vor dem Wald und meidet die Finsternis.

Das beste daran? Die Entwickler haben sich entschlossen, dass Spiel legal und kostenlos (allerdings nur mit den notwendigsten Fehler-Korrekturen) als Torrent zur Verfügung zu stellen. Wenn es euch gefällt, könnt ihr das Spiel für 14 € auf Steam erwerben.

YouTube-Kanal: Historia Civilis
Die mediterrane Antike ist eine der faszinierendsten Epochen der menschlichen Geschichte. Viele berühmte Reiche entstanden und fielen in diesem Umfeld, doch alle werden im Rückblick vom Römischen Reich überschattet. Dieser YouTube Kanal betrachtet Schlaglichtartig bedeutende Persönlichkeiten, Ereignisse und Institutionen der Römischen Reichs und seiner Nachbarn, Konkurrenten und Zeitgenossen. Die Darstellung ist minimalistisch, aber effektiv und die Informationsdichte für meinen Geschmack genau richtig. Die Videos sind zwischen 5 und ca. 25 Minuten lang und nehmen oft Bezug aufeinander, sodass man im Laufe der Zeit ein gutes Verständnis für die Zusammenhänge der Ereignisse entwickelt. Gelegentliche Ausflüge, zum Beispiel zu den Kreuzzügen und der NATO, runden das Angebot ab.

Affiliate Links

17. September 2017
Kategorie: Blog, Allgemein, Geschäftliches

Werbung im Internet nervt. Nicht unbedingt aus Prinzip, aber insbesondere dann, wenn sie aufdringlich ist. Ton, bewegte Bilder und aufpoppende Banner und Fenster sind ein absolutes No-Go. Kleine Webseiten verzichten aus Prinzip oft komplett auf Werbung (Eigenwerbung ausgenommen), so wie ich es bisher auch getan habe. Das wird sich in Zukunft minimal ändern.

In diversen meiner Beiträge empfehle ich Bücher, Filme und andere Devotalien oder benenne sie als Quelle. Wo möglich, habe ich diese Produkte auch verlinkt, damit der geneigte Leser nicht selbst danach suchen muss. Links, die zum großen A führen, werde ich in Zukunft als Affiliate Links setzen. Ebenso wird es in der Seitenleiste einen nicht allzu großen Button geben, auf den ihr klicken könnt, wenn ihr sowieso dort einkaufen wollt und ein paar Cent in meine Richtung schicken möchtet. Alle Affiliate-Links werden als solche gekennzeichnet, damit niemand aus Versehen über einen solchen einen Einkauf tätigt.

Was nicht passieren wird ist, dass ich jede noch so obskure oder unbedeutende Quelle erwähne und verlinke. Was vorher nicht verlinkt worden wäre, wird es auch jetzt nicht. Obwohl sich für euch also hoffentlich gar nichts, außer den erwähnten Hinweisen, ändert, ist es mir wichtig diese Information vorab an euch weiterzugeben. Geld macht vorsichtig und misstrauisch, daher ist Ehrlichkeit doppelt wichtig. Nur wer aus Prinzip gegen solche Programme ist wird in Zukunft wohl selbst das große A öffnen und den Titel in die Suchleiste kopieren müssen. Aber damit kann ich leben.

Weltenbau mit Bullshitting und Selbstvertrauen – Teil I: Systeme, Zwänge, Pen&Paper

10. September 2017
Kategorie: Blog, Pen & Paper, Schreiben, Spielleiter Ecke, Worldbuilding

Dieser Beitrag ist Teil der Verschriftlichung der Konzepte, die ich in meiner Session auf dem LitCamp 2017 in Heidelberg vorgestellt habe. Eine Videoaufzeichnung des Vortrags wurde auf dem YouTube Kanal des LitCamps hochgeladen.

  • Teil I: „Systeme, Zwänge, Pen&Paper“ ist dieser Beitrag.
  • Teil II: „Die Illusion der Komplexität“ findet Ihr hier.

Vorbemerkung

Ich spiele seit 16 Jahren Pen&Paper Rollenspiele, hauptsächlich in der Funktion des Spielleiters. Pen&Paper Rollenspiele kann man sich als interaktives Geschichten erzählen vorstellen, bei dem jeder Spieler die Rolle eines Charakters übernimmt, während der Spielleiter alle anderen Figuren und die gesamte Umwelt darstellt. Es gibt viele Regelsysteme, die helfen diese interaktiven Geschichten in gelenkten Bahnen auszuleben, ohne dass es zu einer reinen Wunscherfüllungsorgie verkommt. „Ich erschlage den Drachen!“, ist so nicht möglich, weil jeder Charakter Attribute und Fähigkeiten hat, die beschreiben, wozu er oder sie fähig ist. Ein Drache wird normalerweise nicht von einem einzelnen Schwerthieb nieder gestreckt. Wie viele Schwerthiebe es braucht (und was der Drache tun kann, um sein verfrühtes Ableben zu verhindern) bestimmen die Regeln.

Pen&Paper Rollenspiele sind ein inhärent interaktives Medium. Anders als im Brett- oder Videospiel kann jeder Spieler deklarieren, dass sein Charakter sich umdreht und in eine andere Richtung geht, als die Handlung dies vorsieht. Es liegt dann am Spielleiter, den Spielern trotzdem eine glaubhafte, idealerweise lebendige und interessante Welt zu präsentieren. All dies geschieht durch Beschreibungen und manchmal Zeichnungen oder Karten. Was der Spielleiter nicht beschreibt, das existiert auch nicht. Daher ist es enorm wichtig, dass der Spielleiter sich in der Spielwelt auskennt, denn sonst vergisst er möglicherweise wichtige Informationen zu erwähnen.

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Vom Liken lernen

2. August 2017
Kategorie: Blog, Allgemein

Als ich vor bald fünfzehn Jahren ein ICQ-Konto registrierte, gehörte ich vielleicht nicht zur Speerspitze der Entwicklung, aber doch zu den früheren Nutzern textbasierter Kommunikation. E-Mails waren bereits relativ verbreitet, wurden von vielen aber als reine Spielerei betrachtet. Profis und Enthusiasten tummelten sich in Newsgroups und auf IRC-Servern und wer ein Handy besaß, konnte natürlich auch SMS versenden. Für die meisten Menschen bedeutete textbasierte Kommunikation aber immer noch einen Brief zu schreiben.

Wie alles Neue, galt die textbasierte Kommunikation als minderwertig. Wer nur miteinander schreibe, könne doch gar keine echte Bekanntschaft aufbauen, keine Freundschaften schließen und sich auch nicht lieben lernen. Wie sehr diese Aussagen an der Lebensrealität vorbeigingen, hätte die Beobachtung jeder beliebigen Unterhaltungen nach Schulschluss eröffnet: „Bist du nachher noch on?“, war eine oft gestellte Frage, denn wir nutzten Kurznachrichtendienste vor allem, um mit Freunden und Schulkameraden in Kontakt zu bleiben.

Reine Internetbekanntschaften wurden häufig nur von gemeinsamen Interessen getragen. Erlosch das gemeinsame Interesse, endete auch die Bekanntschaft. Viel wichtiger war uns, wie einfach die Kurznachrichtendienste es machten mit Freunden und Bekannten Kontakt zu halten. Niemand käme auf die Idee, zwischen den Deutsch und Mathe-Hausaufgaben kurz zu den Nachbarn zu gehen, um sich über die Wochenendpläne oder den Stand der Beziehung zu unterhalten. Eine Textnachricht jedoch war schnell abgesetzt, kostenlos (im Gegensatz zum Telefonat oder der SMS) und konnte vom Empfänger gelesen und beantwortet werden, wann er Zeit hatte. Antwortzeiten von Minuten oder Stunden waren normal.  Diese asynchrone Kommunikation machte es viel einfacher den Kontakt zu erhalten, weil man auch dann miteinander reden konnte, wenn man nicht gleichzeitig einen freien Moment hatte.

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Empfehlungen IV

5. Februar 2017
Kategorie: Blog, Reviews & Empfehlungen

Kurzgeschichtensammlung: Die Grüne Fee
Die Grüne Fee ist ein Produkt aus dem Steampunk-Universum „Eis & Dampf“ von Judith und Christian Vogt. Das Heft ist im Stil eines Wochenhefts aus dem späten 19. Jahrhundert gehalten und alleine wegen der Optik die Anschaffung wert. Fast jede Doppelseite ist hochwertig illustriert und es wurde sogar Werbung für real existierende Geschäfte und Dienstleister im Stil der Epoche gestaltet. Man kauft also definitiv nicht nur die Wörter, sondern auch die Stimmung der Welt, in der die Geschichten spielen. Schaut euch die Bilder und das Video auf der verlinkten Webseite an und überzeugt euch selbst!
Inhaltlich bietet das Heft einen bunten Mix abenteuerlicher Geschichten, die mal als Reisebericht, mal als Zeitungsartikel oder auch durch Tagebucheinträge erzählt werden. Daneben gibt es klassische Kurzgeschichten und sogar eine Geschichte-in-der-Geschichte, was etwas verwirrend aber auch sehr unterhaltsam ist. Die Prosa ist manchmal etwas dick aufgetragen, aber insgesamt sehr stimmig und hindert vor allem die Handlung nicht. Wer auf etwas pulpige Abenteuer steht macht hier nichts falsch.

Polit-„Satire“: Jonathan Pie
Jonathan Pie ist ein Satirist, der britischen Humor und die einzigartige Perspektive der Inselbewohner zu halb satirischen, halb ernst gemeinten Kommentaren vereint. Als Außenstehender gelingen ihm einige Beobachtungen zu Europa, die mir als „Mainlander“ so nicht offensichtlich waren und die brutale Ehrlichkeit bohrt manche Wunde auf, die ich lieber vergessen hätte. Zwischen wüsten und unterhaltsamen Tiraden gibt es immer wieder konstruktive Hinweise zum Umgang mit dem schwierigen politischen Umfeld unserer Zeit. Auch das Format der wöchentlich erscheinenden Videos reicht von faszinierend über unterhaltsam bis bizarr.
Pie arbeitete bis vor einiger Zeit mit RT (ehemals Russia Today) zusammen, laut eigener Aussage, weil er dort maximale künstlerische Freiheit hatte. Diese Zusammenarbeit ist seit Jahreswechsel aufgelöst, er arbeitet nun selbstständig. Inhaltlich hat sich seitdem nach meinem Dafürhalten nichts geändert.

Fernsehserie: Mr. Robot
Ich bin es Leid von dieser Serie hinters Licht geführt zu werden, aber ich will MEHR! Mr. Robot lässt sich schwer kategorisieren, da viele verschiedene Themen darin behandelt werden. Was als Hackerserie anfing (und diese Tätigkeit auch weiterhin realistisch darstellt!), wurde zu einem Sozialdrama, einer Dokumentation über eine Revolution von unten, einer Auseinandersetzung mit Drogen, psychischen Krankheiten, Kapitalismuskritik, Moralischen Dilemmen, einem Crime-Procedural (ja!) und einigem mehr. Alle Figuren haben ihre Berechtigung und selbst die Antagonisten sind vielleicht nicht sympathisch, aber nachvollziehbar.
Falls ihr Interesse an der Serie habt, lest nicht weiter, sondern schaut euch die ersten acht Folgen der ersten Staffel an, bevor ihr euch ein Urteil bildet. Danach werden die bereits behandelten Themen ausgebaut und einige neue Charaktere eingeführt, aber die wesentlichen Elemente sind vorhanden, sodass ihr euch ein Urteil bilden könnt.